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Ansätze zu einem tieferen Verständnis: Freilebende Gummibärchen gibt es nicht. Man kauft sie in Packungen an der Kinokasse. Dieser Kauf ist der Beginn einer fast erotischen und sehr ambivalenten Beziehung Gummibärchen – Mensch. Zuerst genießt man. Dieser Genuss umfasst alle Sinne. Man wühlt in den Gummibärchen, man fühlt sie. Gummibärchen haben eine Konsistenz wie weichgekochter Radiergummi.

Die Tastempfindung geht auch ins Sexuelle. Das bedeutet nicht unbedingt, dass das Verhältnis zum Gummibärchen ein geschlechtliches wäre, denn prinzipiell sind diese geschlechtsneutral. Nun sind Gummibärchen weder wabbelig noch zäh; sie stehen genau an der Grenze. Auch das macht sie spannend. Gummibärchen sind auf aufreizende Art weich. Und weil sie weich sind, kann man sie auch ziehen.

Ich mag das sehr gerne. Ich sitze im dunklen Kino und ziehe meine Gummibärchen in die Länge, ganz langsam. Man will sie nicht kaputt machen, aber dann siegt doch die Neugier, wieviel Zug so ein Gummibärchen aushält (vorstellbar sind u.a. Gummibärchen-Expander für Kinder und Genesende). Forscherdrang und gleichzeitig das Böse im Menschen erreichen ihren Höhepunkt, wenn sich die Mitte des gezerrten Bärchens von Millionen von Mikrorissen weiß färbt und gleich darauf das zweigeteilte Stück auf die Finger zurückschnappt. Man hat Macht über das hilflose, nette Gummibärchen. Und wie man damit umgeht: Mensch, erkenne Dich selbst!

Alexander Koelle